Eine Arznei, die dem Patienten hilft, schmeckt ihm auch, besagt ein alter chinesischer Lehrsatz. Es muss etwas dran sein an dieser Weisheit. Wie sonst ließe sich erklären, dass selbst Kinder die nicht gerade appetitlich aussehenden grünlich braunen Sude, die in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) gebräuchlich sind, meist klaglos zu sich nehmen.
Allerdings setzt das Zusammenstellen der richtigen Arznei genaue Kenntnisse der chinesischen Krankheitstheorie und Kräuterkunde voraus und verlangt eine intensive Schulung. Ein langwieriger und mühsamer Weg, den in der westlichen Welt vergleichsweise wenige Therapeuten einschlagen.
In China ist die Arzneitherapie bei Weitem die wichtigste Methode der TCM – sie macht 80 bis 90 Prozent aller Behandlungen aus. Erst danach kommen Akupunktur, Tuina-Massage und Qigong. Gerade bei chronischen Erkrankungen gilt die Kräutertherapie als weitaus wirkungsvoller als der Gebrauch von Nadeln. In Deutschland ist es umgekehrt: Hier stehen die Kräuter noch ganz im Schatten der Akupunktur – allenfalls zehn Prozent aller TCM-Behandlungen entfallen darauf.
Der Münchner Internist und TCM-Arzt Professor Carl-Hermann Hempen begründet das hiesige Interesse an der Akupunktur mit der Faszination, die die Nadelbehandlung auf Europäer ausübt. "Akupunktur galt in Deutschland lange Zeit als besonders exotisch und kurios." Außerdem hätten sich die Nadeln ohne großen Aufwand nach Europa einführen lassen. Auch der Umgang mit ihnen sei relativ leicht erlernbar.
Ganz anders sieht das bei den China-Kräutern aus. Ihr Import nach Deutschland erfordert nicht nur eine aufwendige Infrastruktur mit einem funktionierenden Kontrollsystem und einem geregelten rechtlichen Rahmen. Vor allem gehört die Kräutertherapie aufgrund der starken Wirkung der chinesischen Arzneipflanzen ausschließlich in die Hände erfahrener Therapeuten. Falsch eingesetzt oder dosiert, können sie den Patienten durchaus gefährden. Für die Selbstmedikation kommen China-Kräuter aus diesem Grund nicht infrage.
Dr. Luitgard Marschall / Apotheken Umschau;
26.09.2008, aktualisiert am 15.02.2012
Bildnachweis: Mauritius/Danita Delimond
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